„Spiel mir das Lied vom Leben.“

Dieter, 70

Vom Rocker zum Kämpfer

Schon früh war er infiziert: vom Virus der Beatmusik.

Mit dem E-Bass in der Hand lebte der junge Dieter in den wilden Sechzigern seinen Freiheitsdrang aus. Erdbeerfarbene Jacke, blau gestreifte Hose, lila Schuhe – so zog er mit den Jungs aus seiner Band durch die Stadt, rockte auf Beatfestivals. Dieter wollte entdecken, raus aus dem Alltag, einfach leben. Dieser Wunsch nach Selbstbestimmung, die Liebe zum Leben – Jahre später wurden sie für Dieter noch einmal in ganz anderer Hinsicht entscheidend. Denn mit 54 brauchte er plötzlich eine Spenderleber. Und zwar schnell.

Eines Morgens fühlte der Musiker sich nicht gut. Abends schon die Diagnose: Sein Organ versagt den Dienst. Heute, 16 Jahre nach der lebensrettenden Operation, rockt Dieter weiter. Mit einer transplantierten Leber.

Kleines Papier, große Entscheidung

Von der Transplantation und den ersten Tagen mit neuer Leber weiß Dieter nicht mehr viel. Als seine Leber versagte, fiel er ins Koma. Die letzten dramatischen Stunden vor der OP kennt er nur aus den Erzählungen seines Sohnes und seiner Frau. Damals waren Dieter und seine Frau noch nicht verheiratet und kurz vor der OP musste dringend noch ein Angehöriger unterzeichnen, dass Dieter operiert werden darf. Sein Sohn kommt dafür sofort aus dem Urlaub, fährt die ganze Nacht durch und gibt seine Einwilligung zur Transplantation direkt vor der OP-Tür. Auf einem Fetzen Papier, nicht mehr als eine Serviette, denn etwas anderes hatte in der Eile niemand zur Hand.

„Früher waren wir jung, gutaussehend und bescheuert. Heute sind wir nur noch bescheuert.“

Dieters Band gibt es nun fast 50 Jahre. Gemeinsam gingen die Freunde durch dick und dünn. Sie schufen sich mit der Musik ein Stück Freiheit, einen eigenen Raum, der sie bis heute verbindet. Früher bunt gekleidet, heute eher seriös – doch immer mit dem unbeugsamen Willen die Geschichten des Lebens musikalisch umzusetzen. Auch nach der lebensrettenden Operation.

Ein Apotheker für alles

Als Patient mit einem Spenderorgan braucht der heute 70-jährige konstante pharmazeutische Begleitung. Denn schon bei einer Erkältung oder Zahnschmerzen muss man genau schauen, was sich mit den Medikamenten verträgt, die der Bassist jeden Tag einnehmen muss, damit das Spendeorgan nicht abgestoßen wird. Darum kümmert sich Dieters langjähriger Apotheker, dem er vertraut und den er als Partner im Alltag begreift.

Dieter engagiert sich heute intensiv für die Organspende. Denn die Spendebereitschaft ist in der Bevölkerung noch immer nicht groß genug. Er hat einen eigenen Verein gegründet, verteilt Organspendeausweise, spielt mit seiner Band für gute Zwecke. „Jeder kann plötzlich in die Situation geraten, auf eine Organspende angewiesen zu sein“, sagt der Musiker. Dafür möchte Dieter mehr Bewusstsein schaffen.

Und was macht die Apotheke?

Apotheker Tim Altenberend: „Ich denke, dass es auch Jahre nach dem Empfang eines Organs wichtig ist, einen Transplantierten zu begleiten.

Zum Beispiel muss bei zusätzlichen Medikamenten neben der Standardtherapie, sei es auf ärztliche Verordnung oder aber bei der Selbstmedikation, immer nach Wechselwirkungen geschaut werden. Auch auf die besondere Lebenssituation muss man Rücksicht nehmen.

Außerdem können wir Apotheker Botschafter für das Thema Organtransplantation sein, das immer wichtiger wird und nicht in Vergessenheit geraten darf, auch wenn es für den Einen oder Anderen ein Tabuthema ist.“

Häufige Fragen. Und Vorurteile.

Laut Eurotransplant brauchten 2015 über 14.000 Patienten ein Spenderorgan. Aber nur rund 8.500 Spender standen zur Verfügung. Nur ein Teil der Patienten erhält das lebensrettende Organ. In Deutschland dürfen nur Organe zur Spende entnommen werden, wenn dazu ausdrücklich die Erlaubnis erteilt wird. Wer die Entscheidung für oder gegen eine Organspende nicht zu Lebzeiten trifft, mutet sie im Todesfall seinen Angehörigen zu. Denn die werden befragt, wenn eine Entscheidung des Verstorbenen nicht bekannt ist.

Quelle: www.organspende-info.de/infothek/statistiken

Selbstverständlich! Die Rettung jedes Patienten ist oberstes Gebot, und zwar unabhängig davon, ob eine Organspendebereitschaft erklärt wurde oder nicht.

Quelle: www.organspende-info.de/infothek/faq-organspende

Nein, denn eine Leber kann auch durch andere Erkrankungen so stark geschädigt werden, dass eine Transplantation des Organs unumgänglich ist. In Dieters Fall wurde die Leber durch eine Vorerkrankung in Mitleidenschaft gezogen und hat sich davon leider nicht mehr erholt.

Du willst Dieter eine Frage zu seiner Geschichte stellen, ihm alles Gute wünschen oder einfach nur mal Hallo sagen?

DANN LOS!

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